Herr Sheriff und die Revolution
Jedes Jahr im Herbst fährt die Künstlerin Parastou Forouhar nach Teheran, um ihrer ermordeten Eltern zu gedenken. Tagebuch einer Reise ins Herz der "grünen Bewegung"
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.02.2010, Nr. 8 / Seite 8
Am 9. November flog ich nach Teheran. Die Willkommensansage im Flugzeug wird von einer verführerischen weiblichen Stimme vorgetragen, die einen Gruß entrichtet an die Märtyrer der Islamischen Revolution und der "Heiligen Verteidigung", an den verstorbenen und den noch lebenden Führer der Revolution und an die verehrten Passagiere. Während des Fluges Reisgerichte und ein Liebesfilm mit Hang zur Komödie, erotisch aufgeladen, aber ohne jeglichen Körperkontakt: eine Kunst, die die iranischen Regisseure kommerzieller Filme meisterhaft beherrschen.
Ich habe damit gerechnet, dass die Agenten des Geheimdienstes mich schon am Flughafen aufsuchen würden, um mir ihre Macht und Omnipräsenz vorzuführen. Aber ich erhalte ohne Schwierigkeiten den Einreisestempel in meinen Pass. Auf dem langen Weg nach Hause schaue ich aus dem Fenster, um vielleicht ein Zeichen der Veränderung, einen Hinweis auf den Volksaufstand zu entdecken.
Die Schilder entlang der Autobahn zeigen Mobiltelefone und Luxusartikel, daneben kalligraphierte Moralsprüche, die Banalitäten der modernen Konsumwelt neben den ideologischen Parolen des Gottesstaates. Die Autobahn führt am Zentralfriedhof vorbei, auf dem meine Eltern begraben liegen, vorbei am gigantischen Mausoleum des Imam Chomeini, und weiter, vorbei an Gemüsefeldern, von denen das Gerücht geht, sie würden mit dem Abwasser der Teheraner Haushalte bewässert.
Irgendwo im Herzen dieser Stadt, in einem alten Viertel, in einer engen Gasse, liegt mein Elternhaus. Ich zähme die Trauer und lache meine Tanten an, die sich im Haus versammelt haben, um mich willkommen zu heißen. Der alte Haushälter drückt liebevoll sein bärtiges Gesicht an das meine und serviert mir, noch bevor ich mich hingesetzt habe, ein Glas Tee.
Mittwoch, 11. November
Die Gedenkfeier für meine Eltern, die der iranische Geheimdienst 1999 ermordete, wird von ihren früheren politischen Weggefährten mitorganisiert. Es sind ältere Herren, die über Jahrzehnte ihre kritische Haltung gegenüber dem System bewahrt haben. Sie kennen meine Eltern seit ihrer Jugend. Für diesen Kreis ist es wichtig, dass ich als Angehörige der Opfer als Erste zum Gedenken aufrufe. Ihr Aufruf folgt dann dem meinen. So will es die Tradition, und so kann man vielleicht die politische Brisanz des Vorhabens mildern.
Ich spüre, dass die Anwesenden nur am Rande jener Bewegung stehen, die zurzeit die iranische Gesellschaft erschüttert. Sie sprechen in einer Mischung aus Bewunderung und Befremden von der Jugend des Landes als dem Motor der Bewegung. Sie wissen, dass sie kaum Einfluss auf das Denken und Handeln dieser Jugend haben. Sie sind überfordert und passiv.
Überfordert ist man nicht nur in dieser Runde. Am selben Tag treffe ich Aktivistinnen der Frauenbewegung, die unter Führung von Mansoureh Shojaie ein Frauenmuseum gründen wollen. Die Idee des Museums laviert am Rande der Machbarkeit - wie viele solcher Vorhaben, die die Paranoia und die Schikanen des Regimes herausfordern. Mansourehs engste Mitstreiterin ist skeptisch und ungeduldig. Ihre ganze Aufmerksamkeit ist auf die Ereignisse auf den Straßen, den Hauptschauplatz des Protests, gerichtet, wo Unerwartetes und Wertvolles passiert. Die Erregung hat sie wie ein Zauber in ihren Bann gezogen. Alle anderen Aktivitäten verlieren an Dringlichkeit. Sie sagt, sie sei überfordert damit, eine Balance zu finden zwischen ihrem alltäglichen und beharrlichen Kampf als Frauenrechtlerin und der Geschwindigkeit und mitreißenden Kraft der Volksbewegung.
Samstag, 14. November
Ich habe schon im Internet Bilder von der Kopfverletzung von Habibollah Peyman gesehen, die sich der 70 Jahre alte Oppositionelle bei einer Demonstration zugezogen hat. Mit einem Blumenstrauß besuche ich ihn in seiner Wohnung. Er spricht vom "Geist der nationalen Kultur Irans", der die Bewegung bestimme: Toleranz, Friedfertigkeit und Unterminierung statt Konfrontation. Er erzählt mir begeistert von den Demonstrationen, davon, wie die Jugend die Bewegung bestimmt. Wie viele aus seiner Generation, die die Radikalität in den Anfangsjahren der Islamischen Republik erlebt haben, hat er eine starke Abneigung gegen Radikalität. So sieht er in der Radikalität der Jugend eine Gefahr und möchte sogar gegen die Schlägertrupps des Regimes nicht radikal vorgehen.
Montag, 16. November
Am Nachmittag nehme ich in einer Moschee an einer Trauerzeremonie für die Mutter eines bekannten Intellektuellen aus dem säkularen, den Reformern nahestehenden Lager teil. Gekommen ist auch Mehdi Karrubi, einer der betrogenen Präsidentschaftskandidaten und Führungsfiguren der "grünen Bewegung". Als nach dem Ende der Zeremonie Karrubis Auto vorfährt, erscheint plötzlich eine Handvoll paramilitärischer Schläger. Sie trommeln mit flachen Händen auf die Motorhaube seines Wagens. Die Anhänger Karrubis, die ihn liebevoll "Scheich" nennen, bleiben ruhig und reißen verächtliche Witze. Karrubi steigt ein, verabschiedet sich winkend und formt die Finger zu einem Siegeszeichen.
Am Ende der Trauerfeier gehe ich zusammen mit einigen alten Freunden ins Café. Leute erkennen und beobachten mich, zeigen mir ihre Verbundenheit. Aber auch das Regime beobachtet mich - es kontrolliert meine Kontakte, hört meine Telefongespräche ab, schickt seine Spitzel, um mich auszuhorchen. Jeder weiß, dass ich vom Geheimdienst beobachtet werde, und die Reaktionen darauf sind unterschiedlich.
Unter meinen Freunden gibt es einige, die den öffentlichen Kontakt meiden. Sie rufen mich weder zu Hause an, noch erscheinen sie zur Gedenkfeier für meine Eltern. Sie möchten nicht von den Geheimagenten registriert werden. Wo diese Gefahr geringer ist, haben wir eine herzliche Beziehung. Dann nennen wir diese Agenten "James" und reißen Witze über sie. Obwohl ich ihr Verhalten verstehe, kränkt es mich. Beim Kaffee erzählen sie mir aber von ihren Erlebnissen bei den Demonstrationen, von den Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften, von Flucht und Beharrlichkeit, von gegenseitiger Hilfe und Unterstützung. Auch sie sprechen immer wieder und hoffnungsvoll von "der Jugend"!
Ich habe auch andere Freunde, die ich im Kampf um die Aufklärung der politischen Morde gefunden habe. Viele von ihnen sind jünger als ich. Sie haben keine Erinnerung an die Revolution von 1979, und sie haben die Angststarre der achtziger Jahre nicht bewusst erlebt. Sie waren alle engagierte Journalisten oder Aktivisten der Studentenbewegung während der Reformzeit in den späten neunziger Jahren, voller Optimismus. Als die reformorientierten Zeitungen verboten wurden, fingen sie an, in Blogs und Websites zu schreiben. Sie besuchen mich jedes Mal, wenn ich in Iran bin, in meinem Elternhaus. Es ist eine besondere Mischung aus Pragmatismus, Aufrichtigkeit und Verletzlichkeit, die diese jungen Leute auszeichnet.
Am Abend kommt einer dieser Freunde - nennen wir ihn Ali - zu Besuch. Er schreibt für eine der wichtigsten Websites der "grünen Bewegung" und hat schon Tage vor meiner Abreise angekündigt, dass er mich mit einigen Freunden besuchen möchte, um mit mir ein Interview zu führen.
Ali kommt allein. Er sagt, die anderen hätten aus Vorsicht auf den Besuch verzichtet. Ali sieht die "grüne Bewegung" als geschichtlichen Wendepunkt in Iran - so wie die Revolution von 1979. Sie ziele auf einen Sturz des Regimes ab. Auch Ali spricht mit Bewunderung von der "Jugend des Landes", von aufregenden Szenen bei den Demonstrationen, wo die Initiative auf der Straße bei denen lag, die viel jünger sind als er mit seinen 30 Jahren. Er hat die unerwartete gewaltige Volksbewegung als ein historisches Geschehen erlebt, auch er hat den Zauber gespürt.
Ich höre ihm neidisch zu und versuche, diesen Zauber aufzuspüren. Aber meine eigene Erfahrung aus der Revolutionszeit zieht mich in die Vergangenheit zurück. Für Ali ist die Islamische Republik eine logische und unausweichliche Folge der Revolution von 1979. Für mich aber sind, noch nach so vielen Jahren, die Revolution und die Islamische Republik zwei grundverschiedene Phänomene.
Dienstag, 17. November
Bereits einige Tage vor dem Todestag meiner Eltern werden die Überwachungsmaßnahmen verschärft. Die Zahl der Agenten in unserem Viertel wird erhöht, und sie zeigen sich auffälliger. Die Telefonleitung wird willkürlich unterbrochen, immer wieder heulen die Motorräder der paramilitärischen Schlägertrupps auf, die vor unserer Haustür scharf bremsen. Der aggressive Lärm von Motorrädern ist in Teheran zu einem Warnsignal für die Ankunft von Schlägertrupps geworden.
Dann werde ich angerufen und vorgeladen. Wie in den letzten fünf Jahren verbieten mir Vertreter der Sicherheitskräfte offiziell, den Gedenktag abzuhalten. Einige dieser Agenten kenne ich schon. Ihr Chef, der ironischerweise "Sheriff" mit Nachnamen heißt, sagt mir, er führe nur Befehle aus. Im Protokoll, das mir zur Unterschrift vorgelegt wird, sind als Begründung des Verbots "Verkehrsprobleme" angegeben. Ich muss lachen und mache ironische Bemerkungen darüber. "Frau Parastou!", sagt Herr "Sheriff", "Sie sind eine erfahrene Frau und wissen, dass es sich hierbei nur um eine Formalität handelt!" Die Lüge ist also im islamischen System zu einer Formalität geworden.
Dienstag, 24. November
Zwei Tage später gehe ich zum Treffen einer Frauengruppe, die sich "Mütter für den Frieden" nennt. Die Versammlung findet in der Wohnung einer jener Mütter statt, die ihre Söhne bei den Sommerunruhen verloren haben. Ich rede von unserem Recht auf Wahrheit und Gerechtigkeit, ohne in die Falle von Rache und Gewalt zu geraten. Sie können meinen Standpunkt nachvollziehen, aber ihr Wunsch nach Vergeltung ist stark. Auch ich kenne dieses Gefühl gut. Es ist zu einem ständigen, sabotierenden Begleiter meines Verstandes geworden. Die Frauen versuchen, am friedlichen Ansatz festzuhalten, vielleicht auch, um angesichts der Brutalität die eigene Menschlichkeit zu bewahren. Man will den mühsam errungenen Gewaltverzicht nicht aufgeben - auch wenn der Preis an die Grenzen des Erträglichen geht.
Freitag, 27. November
In einer Galerie in Teheran wird meine Ausstellung eröffnet. Die Kontrolle des Regimes über die Galerien ist schwächer geworden, und jeder kleine Rückzug des Regimes wird genutzt, um den eigenen Lebensraum zu vergrößern. Trotzdem ist das Vorhaben ein Wagnis und erfordert gewisse Vorsichtsmaßnahmen. Die Einladungen wurden nur an sichere Adressen geschickt. Es gibt keine Pressemitteilung. Trotzdem ist die Galerie bei der Eröffnung sehr voll. Der Raum ist geladen mit Gefühlen und Gesprächen über den politischen Widerstand.
Samstag, 5. Dezember
Als ich nach Deutschland zurückreisen will, werde ich am Flughafen von Agenten des Geheimdienstes aufgehalten. Sie konfiszieren meinen Reisepass. Der Geheimdienst hat beim Revolutionsgericht Anzeige gegen mich erstattet. Der Büroleiter der zuständigen Abteilung im Revolutionsgericht scheint von meiner Situation überrascht und fragt mit sanfter Stimme, warum man mir denn Probleme beschert. Er tröstet mich und rät mir "brüderlich" zur Geduld. Ich erwidere höflich, aber distanziert. Mein Misstrauen gegenüber einem freundlichen Büroleiter und seinen "brüderlichen Ratschlägen" rührt von meinen langjährigen Erfahrungen mit dem System her. Schon im Vorfeld der Reise habe ich versucht, mich auf härtere Reaktionen vorzubereiten, mir unterschiedliche Situationen vorzustellen, um meine innere Haltung zu festigen.
Samstag, 12. Dezember
Nach einigen Tagen werde ich zum Gespräch mit dem "Spezialisten" des Geheimdienstes vorgeladen, der die Anzeige gegen mich veranlasst hat. Das Gebäude, in dem ich vorstellig werde, kennt man in Teheran als das "steinerne Gebäude". Die hohen Mauern, die das Gebäude umschließen, sind aus furchteinflößenden grauen Steinblöcken. Zwei mir schon bekannte Agenten erwarten mich. Einer der Männer sitzt hinter dem Schreibtisch, der andere, mir gegenüber, führt das Verhör. Er starrt mich böse an. Ich starre zurück und denke an eine Zeit, als Agenten wie diese die religiösen Vorschriften befolgten und Frauen nicht direkt ins Gesicht blickten. Nach einer Weile des gegenseitigen Anstarrens beginnt der Agent, mich mit lauter Stimme mit Anschuldigungen zu überschütten.
Nach den Verleumdungen geht er zu Drohungen über: Das Regime sei bisher sehr geduldig mit mir gewesen, aber wenn ich so weitermache, werde ich einen hohen Preis zahlen. Ich frage, was er denn mit einem "hohen Preis" meine? 10 Jahre? 15 Jahre? Ich denke, dass ich das aushalten könnte. Nun beginnt der andere Agent, mir einige suggestive Fragen über meine Söhne und mein Privatleben zu stellen. Diese Fragen sollen mir zeigen, dass ich beobachtet werde, dass ich durchsichtig bin. Ich antworte ruhig und unbeteiligt wie einem neugierigen Nachbarn. Ich möchte zeigen, dass ich nichts zu verbergen habe und mir diese Durchsichtigkeit nichts ausmacht. Ich solle seine Worte in Erinnerung behalten, sagt der Vernehmer am Ende drohend und kündigt an, dass mir mein Pass "in Kürze" zurückgegeben werde.
Montag, 21. Dezember
Das "in Kürze" zieht sich in die Länge. Das Warten treibt mich in die Passivität. Schikanen gegenüber passiv zu werden ist das Schlimmste für mich und das Beste für das Regime. Als ich endlich meinen Pass zurückbekomme und vor meiner Abreise ein letztes Mal durch unser Viertel spaziere, erhalte ich eine SMS: "Montazeri ist tot!" Im Morgengrauen fahre ich mit dem Taxi zum Flughafen, ich schaue aus dem Fenster, um vielleicht Menschen zu entdecken, die wie ich zum Zeichen ihrer Trauer über den Tod des angesehenen Großajatollahs schwarz gekleidet sind, so wie es die "grüne Bewegung" vorgeschlagen hat. Als das Taxi auf der Autobahn in Richtung Flughafen abbiegt, denke ich daran, dass andere weiterfahren in Richtung Ghom, um bei der Beerdigung des Großajatollahs zu demonstrieren und wieder den Ruf nach Freiheit erschallen zu lassen.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.02.2010, Nr. 8 / Seite 8
Sonntag, 28. Februar 2010
Dienstag, 23. Februar 2010
Politischer Boykott des Botschafters der Islamischen Republik Iran
Lieber Omid,
du folgst, das ist schon klar, mit den besten Absichten der Einladung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft m i t dem Botschafter der IRI, Ali Reza Sheikh Attar, über Sicherheitspolitik zu diskutieren.
Das Problem dabei liegt in dem Wörtchen "mit" begründet.
Wenn es eine Veranstaltung wäre, in der verschiedene Redner in Referaten ihre jeweiligen Analysen ausbreiteten (diesen Eindruck hatten wir, als du in Hamburg vor einigen Tagen, diese Veranstaltung schildertest), wäre das Problem kleiner.
Es ist aber ausdrücklich eine Debatte speziell zwischen dir und dem IRI-Botschafter, der dadurch als wichtiger , anerkannter und gleichberchtiger Gesprächspartner behandelt und akzeptiert wird.
Wenn wir mit Shirin Ebadi die Strategie es "poltischen Boykotts" und Ächtung des IRI-Regimes ernst nehmen und es ernsthaft gegen Strategien eines ökonomischen oder gar militärischen Szenario setzen wollen, weil es den politischen und menschrechtsverletzenden Charkater des Iran-Regimes betont, dann muss man diesen Boykott und diese Ächtung auch selbst praktisch zum Ausdruck bringen (wie du es ja selbst mit dem Bild des "Schuhewerfens" für den iranischen Außenmisnister in München medienwrksam gefordert hast!).
Jemanden, der Blut an den Händen hat, der das Mörderregime des Iran repräsentiert und der versucht hat u.a. in Hamburg mit Israelfeinden und Anti-Semiten Punkte zu machen, als Gesprächspartner überhaupt zu akzeptieren ist keine "Ächtung" und kein Boykott" sondern letztendlich Anerkennung - egal, was man ihm inhaltlich sagt..
Die Fotos, wie dieser Botschsafter neben einem wichigen deutschen MdB sitzt, werden in den offiziellen Staatsmedien der IRI und der westlichen Öffentlichkeit eine anerkennende Wirkung erzeugen, die das Regime stärken !
Unsere dringende, persönliche Bitte: Geh da hin, gib noch vor der eigentlichen Veranstaltung (bevor du dich ans Podium setzt) eine ächtende, vernichtende Erklärung ab, warum du nicht neben diesem Botschafter sitzen kannst und willst, kommunizier das mit der Presse - und mach dir einen freien Abend!
Wenn du willst, kannst du auch einen Extra-Schuh dabei haben und ihn, deinen eigenen Worten folgend, einsetzen.
"IranSolidaritätHamburg"
Peter Schwanewilms
Reza Alipour
du folgst, das ist schon klar, mit den besten Absichten der Einladung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft m i t dem Botschafter der IRI, Ali Reza Sheikh Attar, über Sicherheitspolitik zu diskutieren.
Das Problem dabei liegt in dem Wörtchen "mit" begründet.
Wenn es eine Veranstaltung wäre, in der verschiedene Redner in Referaten ihre jeweiligen Analysen ausbreiteten (diesen Eindruck hatten wir, als du in Hamburg vor einigen Tagen, diese Veranstaltung schildertest), wäre das Problem kleiner.
Es ist aber ausdrücklich eine Debatte speziell zwischen dir und dem IRI-Botschafter, der dadurch als wichtiger , anerkannter und gleichberchtiger Gesprächspartner behandelt und akzeptiert wird.
Wenn wir mit Shirin Ebadi die Strategie es "poltischen Boykotts" und Ächtung des IRI-Regimes ernst nehmen und es ernsthaft gegen Strategien eines ökonomischen oder gar militärischen Szenario setzen wollen, weil es den politischen und menschrechtsverletzenden Charkater des Iran-Regimes betont, dann muss man diesen Boykott und diese Ächtung auch selbst praktisch zum Ausdruck bringen (wie du es ja selbst mit dem Bild des "Schuhewerfens" für den iranischen Außenmisnister in München medienwrksam gefordert hast!).
Jemanden, der Blut an den Händen hat, der das Mörderregime des Iran repräsentiert und der versucht hat u.a. in Hamburg mit Israelfeinden und Anti-Semiten Punkte zu machen, als Gesprächspartner überhaupt zu akzeptieren ist keine "Ächtung" und kein Boykott" sondern letztendlich Anerkennung - egal, was man ihm inhaltlich sagt..
Die Fotos, wie dieser Botschsafter neben einem wichigen deutschen MdB sitzt, werden in den offiziellen Staatsmedien der IRI und der westlichen Öffentlichkeit eine anerkennende Wirkung erzeugen, die das Regime stärken !
Unsere dringende, persönliche Bitte: Geh da hin, gib noch vor der eigentlichen Veranstaltung (bevor du dich ans Podium setzt) eine ächtende, vernichtende Erklärung ab, warum du nicht neben diesem Botschafter sitzen kannst und willst, kommunizier das mit der Presse - und mach dir einen freien Abend!
Wenn du willst, kannst du auch einen Extra-Schuh dabei haben und ihn, deinen eigenen Worten folgend, einsetzen.
"IranSolidaritätHamburg"
Peter Schwanewilms
Reza Alipour
Sonntag, 21. Februar 2010
Curling
Curling
VON STEFAN NIGGEMEIER
FAS, 21.2.2010
Von mir aus könnte das ewig so weitergehen mit diesem Olympia. Ungefähr immer, wenn ich gucke, läuft gerade Curling, eine Sportart, die von den Kommentatoren reflexartig "Schach auf Eis" genannt wird, obwohl ich "Mühle auf Haschisch" treffender fände. Die hypnotische Wirkung als Fernsehsendung, gerade in der Dämmerphase kurz vor dem Einschlafen, liegt irgendwo zwischen den "schönsten Bahnstrecken der Welt", die die ARD sonst anstelle der nächtlichen Olympia-Sendungen abfährt, und einer Liveübertragung vom Trocknen frisch aufgetragener Farbe, und ich meine das positiv.
Sympathisch am Curling ist schon, wie sehr es sich den üblichen Inszenierungsmustern olympischer Spiele im Fernsehen entzieht. Mag zum Beispiel sein, dass diese Schrubber Hochpräzisionsgeräte sind, die durch technischen Fortschritt den Sport immer wieder in neue Dimensionen führen - aber dass eine ernsthafte, skandalträchtige oder gar stammtischtaugliche Diskussion wie um die Wunderbindung der Schweizer Skispringer ausbricht, ist dann doch eher unwahrscheinlich. Dramatische Slow-Motion-Aufnahmen sind unnötig, weil der Wettbewerb selbst freundlicherweise schon in Zeitlupe stattfindet. Gelegentlich versuchen die Fernsehleute, die Höhepunkte einer Partie trotzdem zu den klassischen Collagen mit whitneyhoustonesker Musik zusammenzuschneiden - aber da sieht man dann nur, wie Leute, die auch gerade aus dem Kegelclub in der Eckkneipe dahin geschlendert sein könnten, auf dem Eis knien und Grimassen schneiden, die vermutlich die Curlingsteine einschüchtern sollen, und wirkt entsprechend unangemessen.
Ich schreibe das natürlich aus der Perspektive pubertärer Ignoranz, die aber ganz angenehm ist beim entspannten Zuschauen und sich auch nicht so groß von den Fachkenntnissen der Fernsehkommentatoren zu unterscheiden scheint. Die Grundregeln sind in zwanzig Sekunden erklärt, obwohl sich die Sprecher alle Mühe geben, den Mythos einer verborgenen Komplexität aufzubauen und sie deshalb alle dreißig Sekunden wiederholen. Und wenn sich die Kommentatoren mal nicht darauf beschränken, das zu beschreiben, was man eh sieht, sondern vorherzusagen, welche Strategie der Skip (!) als Nächstes anwenden wird, kann man darauf wetten, dass der Mann oder die Frau das Gegenteil tut (woraus sich auch ein schönes Trinkspiel machen ließe, wenn das nicht viel zu anstrengend wäre).
Neulich ist einer der Wischer ausgerutscht. Ist aber nichts passiert.
VON STEFAN NIGGEMEIER
FAS, 21.2.2010
Von mir aus könnte das ewig so weitergehen mit diesem Olympia. Ungefähr immer, wenn ich gucke, läuft gerade Curling, eine Sportart, die von den Kommentatoren reflexartig "Schach auf Eis" genannt wird, obwohl ich "Mühle auf Haschisch" treffender fände. Die hypnotische Wirkung als Fernsehsendung, gerade in der Dämmerphase kurz vor dem Einschlafen, liegt irgendwo zwischen den "schönsten Bahnstrecken der Welt", die die ARD sonst anstelle der nächtlichen Olympia-Sendungen abfährt, und einer Liveübertragung vom Trocknen frisch aufgetragener Farbe, und ich meine das positiv.
Sympathisch am Curling ist schon, wie sehr es sich den üblichen Inszenierungsmustern olympischer Spiele im Fernsehen entzieht. Mag zum Beispiel sein, dass diese Schrubber Hochpräzisionsgeräte sind, die durch technischen Fortschritt den Sport immer wieder in neue Dimensionen führen - aber dass eine ernsthafte, skandalträchtige oder gar stammtischtaugliche Diskussion wie um die Wunderbindung der Schweizer Skispringer ausbricht, ist dann doch eher unwahrscheinlich. Dramatische Slow-Motion-Aufnahmen sind unnötig, weil der Wettbewerb selbst freundlicherweise schon in Zeitlupe stattfindet. Gelegentlich versuchen die Fernsehleute, die Höhepunkte einer Partie trotzdem zu den klassischen Collagen mit whitneyhoustonesker Musik zusammenzuschneiden - aber da sieht man dann nur, wie Leute, die auch gerade aus dem Kegelclub in der Eckkneipe dahin geschlendert sein könnten, auf dem Eis knien und Grimassen schneiden, die vermutlich die Curlingsteine einschüchtern sollen, und wirkt entsprechend unangemessen.
Ich schreibe das natürlich aus der Perspektive pubertärer Ignoranz, die aber ganz angenehm ist beim entspannten Zuschauen und sich auch nicht so groß von den Fachkenntnissen der Fernsehkommentatoren zu unterscheiden scheint. Die Grundregeln sind in zwanzig Sekunden erklärt, obwohl sich die Sprecher alle Mühe geben, den Mythos einer verborgenen Komplexität aufzubauen und sie deshalb alle dreißig Sekunden wiederholen. Und wenn sich die Kommentatoren mal nicht darauf beschränken, das zu beschreiben, was man eh sieht, sondern vorherzusagen, welche Strategie der Skip (!) als Nächstes anwenden wird, kann man darauf wetten, dass der Mann oder die Frau das Gegenteil tut (woraus sich auch ein schönes Trinkspiel machen ließe, wenn das nicht viel zu anstrengend wäre).
Neulich ist einer der Wischer ausgerutscht. Ist aber nichts passiert.
Montag, 15. Februar 2010
El espejo alemán del Cabanyal
in: Publico, 14.2.2010
Übersetzung: Paula Ring, Amsterdam
Das deutsche Spiegelbild von El Cabanyal
Das Hamburger Fischerviertel überlebte einen Plan, der es zu einer Bürostadt machen sollte.
Am 4 Januar, nachdem die Order des Kulturministeriums (die Verlängerung der Avenida Blasco Ibanéz verstoße gegen nationales Recht, weil sie die Zerstörung nationalen Erbes bedeuten würde) bekannt wurde, der den Abriss des Cabanyal stoppt, trafen sich viele Nachbarn um anzustoßen, zu singen, zu weinen und sich zu umarmen. Einer der aktivsten, Peter Schwanewilms, war dabei ohne dabei zu sein. Durch ein an einen Lautsprecher angeschlossenes Handy sprach er hörbar emotional bewegt zu den Freunden. Dies tat er 2.500 Kilometer entfernt und als Repräsentant für Ottensen, dem Fischerviertel in Hamburg, das seit Jahren den Kampf von El Cabanyal unterstützt, um seine Identität zu bewahren.
Die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Orten sind zahlreich. Ottensen, an den Ufern der Elbe und nahe am Hamburger Hafen gelegen, war ein kleines Bauerndorf, bis es im Jahr 1850 begann, zu einer Stadt anzuwachsen. Im Zuge der industriellen Revolution wurden die Felder durch Glas-, Metall-, Tabak-, und Nahrungsmittelfabriken ersetzt. Zu dieser Zeit wurde im Akkord gebaut, um genügend Platz zu schaffen für den massenhaften Zustrom des Proletariats, das auf der Suche nach Arbeit war. Aber die Industriekrise der 1970er Jahre brachte Ottensen einen Niedergang mit verlassenen Industriegrundstücken, heruntergekommenen Häusern und schwindender Bevölkerung.
Die Stadtverwaltung plante daraufhin, aus dem Viertel einen großen Bauplatz zu machen und die City West zu errichten, eine Geschäftsstadt, durchzogen von Wolkenkratzern, umrahmt von einer Autobahn und angefüllt mit neuen Wohnblocks für reiche Leute. Die Immobilienagenturen sahen ihre Geschäftschancen auf dem Tablett serviert: billige Grundstücke einkommensschwacher Menschen in Erwartung der „fetten“ Neubewertung der Grundstücke.
Aber sie sahen sich konfrontiert mit der Opposition der Bewohner: viele Immigranten und vor allem Studenten, die von der Erfahrung des Mai 1968 erfüllt waren und die Ottensen in einen „Schützengraben“ gegen die Spekulation verwandelten.
Fruchtbarer Widerstand
Im alten Hafenviertel entstanden mehr als 300 Bürgerinitiativen mit Forderungen, die weit über die Stadtplanung hinaus gingen und einen breiten Fächer sozialer Recht umfasstene: Feminismus, die Dritte Welt, Ökologie… Ottensen war zu dieser Zeit ein Symbol für politische Freiheiten, die sich in der Wählervereinigung „Bunte Liste“ kristallisierten, der Keimzelle der Partei DIE GRÜNEN, welche dann auch Sitze im kommunalen Parlament gewann.
Die Mobilisierung der Bürger wuchs während eines Jahrzehnt an, und es gelang die Verwandlung eines Stadtentwicklungsplans der Zerstörung zu einem anderen, der die Möglichkeit einer Sanierung in kleinen Schritten einschloss, die noch bis heute andauert. Aus vielen der alten verlassenen Fabriken wurden soziale Zentren, die Gärten blühen wieder und die Innenhöfe der Häuserblocks sind keine Müllplätze mehr, sonder funktionieren als öffentliche Orte. Ein neues Gesicht, welches Ottensen in eines der schicksten und „angesagtesten“ Viertel Deutschlands verwandelt hat. In seinen Erdgeschossen nisten sich Restaurants, Geschäfte und Multimedia-Betriebe. "Ein Viertel mit einem studentischen, unruhigen und dynamischen Profil.", fasst Burkhart Springstubbe zusammen, einer der Architekten des behutsamen Wandels und Aktivisten der Geschichstwerkstatt „Stadtteilarchiv Ottensen“ .
Eine zehnjährige Beziehung
Die Beziehung zwischen Ottensen und El Cabanyal begann nach einem zufälligen Spaziergang von Peter Schwanewilms durch die Straßen des valencianischem Viertels. "Ich ging zum Strand und mir fielen die Plakate an den Fassaden auf, welche von Sanierung sprachen und ich dachte an mein Zuhause“, erinnert er sich. Kurz dannach nahm er an seinem ersten Treffen von Salvem El Cabanyal (einer Bürgerinitiative, die sich gegen den Abriss einsetzt) teil und wurde dort zu einem festen Mitarbeiter. "Ich ging jeden Mittwoch dorthin, erzählte ihnen über Hamburg, organisierte europäische Treffen.“
Durch die Vermittlung von Peter wurde Ottensen zu einem Spiegelbild für El Cabanyal als Hochziel einer möglichen Sanierung. Danach blühte der Austausch zwischen beiden Vierteln, am einträglichsten während einer jährlichen Veranstaltung, die in El Cabanyal organisiert wird und wo die Nachbarn ihre Häuser für künstlerische Ausstellungen öffnen, darunter auch viele Künstler und Aktivisten aus Ottensen.
Einer der emotionalsten Momente war im Jahr 2008, als Peter sich nach acht Jahren in Valencia entschied, nach Deutschland zurückzukehren. Es war keine normale Rückkehr: Der deutsche Aktivist fuhr zwei Monate lang die Entfernung zwischen beiden Orten mit dem Fahrrad ab. Mit dabei hatte er ein Rotes Seil, mit dem er in jeder wichtigen Stadt ein Foto machte. Eine symbolisch geladene visuelle Geste, um vom einem zum anderen Ufer die Seelen der verbrüderten Viertel zu vereinen.
in: Publico, 14.2.2010
Übersetzung: Paula Ring, Amsterdam
Das deutsche Spiegelbild von El Cabanyal
Das Hamburger Fischerviertel überlebte einen Plan, der es zu einer Bürostadt machen sollte.
Am 4 Januar, nachdem die Order des Kulturministeriums (die Verlängerung der Avenida Blasco Ibanéz verstoße gegen nationales Recht, weil sie die Zerstörung nationalen Erbes bedeuten würde) bekannt wurde, der den Abriss des Cabanyal stoppt, trafen sich viele Nachbarn um anzustoßen, zu singen, zu weinen und sich zu umarmen. Einer der aktivsten, Peter Schwanewilms, war dabei ohne dabei zu sein. Durch ein an einen Lautsprecher angeschlossenes Handy sprach er hörbar emotional bewegt zu den Freunden. Dies tat er 2.500 Kilometer entfernt und als Repräsentant für Ottensen, dem Fischerviertel in Hamburg, das seit Jahren den Kampf von El Cabanyal unterstützt, um seine Identität zu bewahren.
Die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Orten sind zahlreich. Ottensen, an den Ufern der Elbe und nahe am Hamburger Hafen gelegen, war ein kleines Bauerndorf, bis es im Jahr 1850 begann, zu einer Stadt anzuwachsen. Im Zuge der industriellen Revolution wurden die Felder durch Glas-, Metall-, Tabak-, und Nahrungsmittelfabriken ersetzt. Zu dieser Zeit wurde im Akkord gebaut, um genügend Platz zu schaffen für den massenhaften Zustrom des Proletariats, das auf der Suche nach Arbeit war. Aber die Industriekrise der 1970er Jahre brachte Ottensen einen Niedergang mit verlassenen Industriegrundstücken, heruntergekommenen Häusern und schwindender Bevölkerung.
Die Stadtverwaltung plante daraufhin, aus dem Viertel einen großen Bauplatz zu machen und die City West zu errichten, eine Geschäftsstadt, durchzogen von Wolkenkratzern, umrahmt von einer Autobahn und angefüllt mit neuen Wohnblocks für reiche Leute. Die Immobilienagenturen sahen ihre Geschäftschancen auf dem Tablett serviert: billige Grundstücke einkommensschwacher Menschen in Erwartung der „fetten“ Neubewertung der Grundstücke.
Aber sie sahen sich konfrontiert mit der Opposition der Bewohner: viele Immigranten und vor allem Studenten, die von der Erfahrung des Mai 1968 erfüllt waren und die Ottensen in einen „Schützengraben“ gegen die Spekulation verwandelten.
Fruchtbarer Widerstand
Im alten Hafenviertel entstanden mehr als 300 Bürgerinitiativen mit Forderungen, die weit über die Stadtplanung hinaus gingen und einen breiten Fächer sozialer Recht umfasstene: Feminismus, die Dritte Welt, Ökologie… Ottensen war zu dieser Zeit ein Symbol für politische Freiheiten, die sich in der Wählervereinigung „Bunte Liste“ kristallisierten, der Keimzelle der Partei DIE GRÜNEN, welche dann auch Sitze im kommunalen Parlament gewann.
Die Mobilisierung der Bürger wuchs während eines Jahrzehnt an, und es gelang die Verwandlung eines Stadtentwicklungsplans der Zerstörung zu einem anderen, der die Möglichkeit einer Sanierung in kleinen Schritten einschloss, die noch bis heute andauert. Aus vielen der alten verlassenen Fabriken wurden soziale Zentren, die Gärten blühen wieder und die Innenhöfe der Häuserblocks sind keine Müllplätze mehr, sonder funktionieren als öffentliche Orte. Ein neues Gesicht, welches Ottensen in eines der schicksten und „angesagtesten“ Viertel Deutschlands verwandelt hat. In seinen Erdgeschossen nisten sich Restaurants, Geschäfte und Multimedia-Betriebe. "Ein Viertel mit einem studentischen, unruhigen und dynamischen Profil.", fasst Burkhart Springstubbe zusammen, einer der Architekten des behutsamen Wandels und Aktivisten der Geschichstwerkstatt „Stadtteilarchiv Ottensen“ .
Eine zehnjährige Beziehung
Die Beziehung zwischen Ottensen und El Cabanyal begann nach einem zufälligen Spaziergang von Peter Schwanewilms durch die Straßen des valencianischem Viertels. "Ich ging zum Strand und mir fielen die Plakate an den Fassaden auf, welche von Sanierung sprachen und ich dachte an mein Zuhause“, erinnert er sich. Kurz dannach nahm er an seinem ersten Treffen von Salvem El Cabanyal (einer Bürgerinitiative, die sich gegen den Abriss einsetzt) teil und wurde dort zu einem festen Mitarbeiter. "Ich ging jeden Mittwoch dorthin, erzählte ihnen über Hamburg, organisierte europäische Treffen.“
Durch die Vermittlung von Peter wurde Ottensen zu einem Spiegelbild für El Cabanyal als Hochziel einer möglichen Sanierung. Danach blühte der Austausch zwischen beiden Vierteln, am einträglichsten während einer jährlichen Veranstaltung, die in El Cabanyal organisiert wird und wo die Nachbarn ihre Häuser für künstlerische Ausstellungen öffnen, darunter auch viele Künstler und Aktivisten aus Ottensen.
Einer der emotionalsten Momente war im Jahr 2008, als Peter sich nach acht Jahren in Valencia entschied, nach Deutschland zurückzukehren. Es war keine normale Rückkehr: Der deutsche Aktivist fuhr zwei Monate lang die Entfernung zwischen beiden Orten mit dem Fahrrad ab. Mit dabei hatte er ein Rotes Seil, mit dem er in jeder wichtigen Stadt ein Foto machte. Eine symbolisch geladene visuelle Geste, um vom einem zum anderen Ufer die Seelen der verbrüderten Viertel zu vereinen.
Sonntag, 14. Februar 2010
El espejo alemán del Cabanyal
El barrio marinero de Hamburgo sobrevivió a un plan que proyectaba sustituirlo por una ciudad de negocios
El barrio marinero de Ottensen, en Hamburgo, consiguió mantenerse en pie tras años de lucha vecinal.
SERGI TARÍN - VALENCIA - 14/02/2010 08:00
El 4 de enero, tras conocer la Orden de Cultura que paraliza los derribos en El Cabanyal, muchos vecinos se reunieron para brindar, cantar, llorar y abrazarse. Uno de los más activos, Peter Schwanewilms, estuvo sin estar. A través de un móvil conectado a unos altavoces habló atropelladamente. Lo hizo a 2.500 kilómetros de distancia y en representación de Ottensen, el barrio marinero de Hamburgo (Alemania), que apoya desde hace años la lucha del Cabanyal por preservar su patrimonio.
Las similitudes entre ambos lugares son numerosas. Ottensen, a orillas del río Elba y cerca del puerto de Hamburgo, fue un diminuto pueblo agrícola hasta que en 1850 lo fagocitó la ciudad. Los huertos fueron sustituidos por fábricas de vidrio, metal, tabaco y alimentación. En aquel tiempo se construyó a destajo para dar cabida a la abundante marea proletaria que llegó en busca de trabajo. Pero la crisis industrial de los setenta decoró Ottensen de degradación y abandono.
Muchas fábricas abandonadasson ahora centros sociales
El ayuntamiento planeó entonces convertir el barrio en un solar y levantar la City West, una ciudad de negocios inflamada de rascacielos, surcada por una autovía y repleta de nuevos bloques de viviendas para gente rica. Las inmobiliarias vieron la oportunidad de negocio servida en bandeja: suelo pobre y de pobres a la espera de suculentas recalificaciones. Pero se encontraron con la oposición de sus pobladores: muchos inmigrantes y sobre todo estudiantes embriagados por los vapores de Mayo del 68 que convirtieron Ottensen en una trinchera contra la especulación.
Resistencia fecunda
El viejo barrio porteño juntó en sus calles más de 300 entidades con reivindicaciones que iban más allá del urbanismo, hasta abarcar un amplio abanico de derechos sociales: feminismo, Tercer Mundo, ecologismo... Ottensen fue en aquel tiempo un símbolo de las libertades políticas que cristalizó en la Bunte Liste, embrión de los Verdes-Alternativos, que obtuvieron representación en el Consistorio.
El barrio marinero de Ottensen es una de las zonas más chic de Alemania
La movilización ciudadana se extendió durante una década y consiguió la metamorfosis de un plan urbanístico destructivo por otro que posibilitó una rehabilitación por fases que aún colea. Muchas de las antiguas fábricas abandonadas se han transformado en centros sociales, los jardines han proliferado y los patios interiores de las manzanas de los edificios han dejado de ser estercoleros y funcionan como plazas públicas. Un nuevo rostro que ha convertido a Ottensen en una de las zonas más chic de Alemania. En sus bajos anidan restaurantes, comercios y empresas multimedia. "Un barrio de perfil estudiantil, inquieto y dinámico", resume Burkhart Springstubbe, uno de los arquitectos implicados en su remodelación.
Una relación de diez años
La relación entre Ottensen y El Cabanyal se inició tras un paseo al azar de Peter Schwanewilms por las calles del barrio valenciano. "Iba hacia la playa y me llamaron la atención las pancartas en las fachadas que hablaban de rehabilitación y pensé en mi casa", recuerda. Poco después asistió a su primera asamblea de Salvem el Cabanyal (plataforma que se opone a los derribos) y se convirtió en un asiduo. "Iba cada miércoles, les hablaba de Hamburgo, organizaba encuentros europeos".
Por mediación de Peter, Ottensen se convirtió en un espejo para El Cabanyal, en la plasmación urbana de una rehabilitación posible. Proliferaron, entonces, los intercambios entre ambos barrios. Los más fructíferos, en unas jornadas que anualmente se organizan en El Cabanyal y donde los vecinos abren sus casas a exposiciones de artistas locales y extranjeros, entre ellos muchos creadores de Ottensen.
Uno de los momentos mas emotivos se vivió en abril de 2008 cuando Peter decidió volver a Alemania tras ocho años en Valencia. Fue un regreso atípico. El activista alemán recorrió en bici, durante dos meses, la distancia entre ambos lugares acompañado de una cuerda roja junto a la que se fotografió en cada ciudad importante. Un gesto cargado de simbolismo visual para unir de orillaa orilla el alma de dos barrios hermanos.
El barrio marinero de Hamburgo sobrevivió a un plan que proyectaba sustituirlo por una ciudad de negocios
El barrio marinero de Ottensen, en Hamburgo, consiguió mantenerse en pie tras años de lucha vecinal.
SERGI TARÍN - VALENCIA - 14/02/2010 08:00
El 4 de enero, tras conocer la Orden de Cultura que paraliza los derribos en El Cabanyal, muchos vecinos se reunieron para brindar, cantar, llorar y abrazarse. Uno de los más activos, Peter Schwanewilms, estuvo sin estar. A través de un móvil conectado a unos altavoces habló atropelladamente. Lo hizo a 2.500 kilómetros de distancia y en representación de Ottensen, el barrio marinero de Hamburgo (Alemania), que apoya desde hace años la lucha del Cabanyal por preservar su patrimonio.
Las similitudes entre ambos lugares son numerosas. Ottensen, a orillas del río Elba y cerca del puerto de Hamburgo, fue un diminuto pueblo agrícola hasta que en 1850 lo fagocitó la ciudad. Los huertos fueron sustituidos por fábricas de vidrio, metal, tabaco y alimentación. En aquel tiempo se construyó a destajo para dar cabida a la abundante marea proletaria que llegó en busca de trabajo. Pero la crisis industrial de los setenta decoró Ottensen de degradación y abandono.
Muchas fábricas abandonadasson ahora centros sociales
El ayuntamiento planeó entonces convertir el barrio en un solar y levantar la City West, una ciudad de negocios inflamada de rascacielos, surcada por una autovía y repleta de nuevos bloques de viviendas para gente rica. Las inmobiliarias vieron la oportunidad de negocio servida en bandeja: suelo pobre y de pobres a la espera de suculentas recalificaciones. Pero se encontraron con la oposición de sus pobladores: muchos inmigrantes y sobre todo estudiantes embriagados por los vapores de Mayo del 68 que convirtieron Ottensen en una trinchera contra la especulación.
Resistencia fecunda
El viejo barrio porteño juntó en sus calles más de 300 entidades con reivindicaciones que iban más allá del urbanismo, hasta abarcar un amplio abanico de derechos sociales: feminismo, Tercer Mundo, ecologismo... Ottensen fue en aquel tiempo un símbolo de las libertades políticas que cristalizó en la Bunte Liste, embrión de los Verdes-Alternativos, que obtuvieron representación en el Consistorio.
El barrio marinero de Ottensen es una de las zonas más chic de Alemania
La movilización ciudadana se extendió durante una década y consiguió la metamorfosis de un plan urbanístico destructivo por otro que posibilitó una rehabilitación por fases que aún colea. Muchas de las antiguas fábricas abandonadas se han transformado en centros sociales, los jardines han proliferado y los patios interiores de las manzanas de los edificios han dejado de ser estercoleros y funcionan como plazas públicas. Un nuevo rostro que ha convertido a Ottensen en una de las zonas más chic de Alemania. En sus bajos anidan restaurantes, comercios y empresas multimedia. "Un barrio de perfil estudiantil, inquieto y dinámico", resume Burkhart Springstubbe, uno de los arquitectos implicados en su remodelación.
Una relación de diez años
La relación entre Ottensen y El Cabanyal se inició tras un paseo al azar de Peter Schwanewilms por las calles del barrio valenciano. "Iba hacia la playa y me llamaron la atención las pancartas en las fachadas que hablaban de rehabilitación y pensé en mi casa", recuerda. Poco después asistió a su primera asamblea de Salvem el Cabanyal (plataforma que se opone a los derribos) y se convirtió en un asiduo. "Iba cada miércoles, les hablaba de Hamburgo, organizaba encuentros europeos".
Por mediación de Peter, Ottensen se convirtió en un espejo para El Cabanyal, en la plasmación urbana de una rehabilitación posible. Proliferaron, entonces, los intercambios entre ambos barrios. Los más fructíferos, en unas jornadas que anualmente se organizan en El Cabanyal y donde los vecinos abren sus casas a exposiciones de artistas locales y extranjeros, entre ellos muchos creadores de Ottensen.
Uno de los momentos mas emotivos se vivió en abril de 2008 cuando Peter decidió volver a Alemania tras ocho años en Valencia. Fue un regreso atípico. El activista alemán recorrió en bici, durante dos meses, la distancia entre ambos lugares acompañado de una cuerda roja junto a la que se fotografió en cada ciudad importante. Un gesto cargado de simbolismo visual para unir de orillaa orilla el alma de dos barrios hermanos.
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